2017 – Geschäftsführerwechsel bei der ORGANICA® Feinchemie GmbH Wolfen

Ab dem 1. Januar 2017 übernahm Dr. Jörg Blumhoff, der bisherige Prokurist und Marketingleiter der ORGANICA®, die Leitung des Unternehmens.  Hierbei wird der Staffelstab von Dr. Bodo Schulze weitergegeben, welcher das Unternehmen im Jahr 1995 mitbegründete und über 20 Jahre prägte. Dr. Bodo Schulze steht dem Unternehmen weiterhin als Berater zur Verfügung.


2016 – Erfolgreichstes Geschäftsjahr der ORGANICA® seit Gründung im Jahr 1995

Die ORGANICA® blickt auf das erfolgreichste Geschäftsjahr Ihrer bisherigen Unternehmenstätigkeit zurück. So beträgt der Umsatz im Geschäftsjahr 2016 15,4 Mio. EUR. Dank des guten Ergebnisses plant die ORGANICA® für das Jahr 2017 Investitionen in Höhe von 1,5 Mio. EUR.  Mit diesem Budget sollen unter anderem die Produktionskapazitäten erweitert und flexibilisiert werden um den Herausforderungen der Zukunft begegnen zu können.


2016 – Aufstellung der neuen thermisch-regenerativen Abgasreinigung

Im September wurde die neue thermisch-regenerative Abgasreinigung der ORGANICA® in Betrieb genommen, so dass auch in Zukunft die höchsten Umweltstandards am Standort eingehalten werden.

 

 

 

 

 


2014

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Im Dezember wurde ein neues Tanklager in Betrieb genommen, welches über zwei Bauabschnitte im Laufe des Jahres 2014 realisiert wurde.

 

 


2013

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Im Januar wurde das neue Lösungsmittellager in Betrieb genommen. Durch diese Erweiterung der Kapazitäten im Lagerbereich von ORGANICA® stehen nun zusätzliche 148 EU-Palettenstellplätze zur Verfügung.

 

 

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Steigerung der Produktionskapazitäten bei ORGANICA®!
Zwei neue 500l-Reaktoren wurden in Betrieb genommen, in denen Reaktionen bei Temperaturen bis 230 °C durchgeführt werden können und auch die Destillatvorlagen sind bei Bedarf beheizbar. Desweiteren sind Vakuumdestillationen bis 10 mbar möglich.

 


2011

Gesellschafterwechsel bei der ORGANICA® Feinchemie GmbH Wolfen

Mit Kaufvertrag vom 30. November 2011 erwarben die WITEC GmbH mit Standort in Laasdorf (Thüringen) 94% und deren Geschäftsführerin Frau Anastasia Zepik 6% der Anteile an der Organica Feinchemie GmbH Wolfen. Frau Zepik wurde auch zur Geschäftsführerin der ORGANICA® Feinchemie GmbH Wolfen berufen. Dr. Bodo Schulze, Mitgründer der ORGANICA® im Jahr 1995 und seitdem auch Geschäftsführer, übte diese Funktion bis zu seinem Ausscheiden Ende 2016 aus.


Mehr Informationen zur Geschichte der Fotochemie und der Marke ORWO unter
www.photoscala.de/2012/01/27/die-marke-orwo-und-ihre-geschichte.

2009

ORGANICA startet die Massenproduktion von hochreinen Farbstoffen für die Grätzel-Zelle (DSSC). Die farbstoff-sensibilisierte Zelle steht für die dritte Generation von Solarzellen. Seit ihrer Entdeckung 1989 wurden phänomenale Schritte in der Entwicklung gemacht. Wirkungsgrade von über 12 Prozent und eine hervorragende Stabilität sind erreicht. Damit stellt die DSSC eine ernstzunehmende Alternative zum pn-Übergang konventioneller Photovoltaik-Syteme dar. In puncto Kosten, Effizienz, Stabilität und Verfügbarkeit sowie Umweltverträglichkeit blicken organische Solarzellen einer großen Zukunft in der Solarbranche entgegen.

ORGANICA begann bereits 5 Jahre zuvor mit der Entwicklung von verbesserten Syntheseverfahren, dies ermöglichte der Gesellschaft die Erweiterung der Produktion bis hin zum Multi-Kilogramm-Maßstab. Eine wichtige Voraussetzung für die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit im Bereich der großtechnischen DSSC Produktion war die Möglichkeit der Senkung der Herstellungskosten durch die nachhaltige Erhöhung der Produktionsmenge.

Die erste von ORGANICA entwickelte Synthese von einem DSSC-Farbstoff war Dye 11070 (N719) CAS: 207347-46-4, heute der häufigste Hochleistungs-Farbstoff. Dye 11070 folgte Dye 11092 (Z907) CAS: 207347-46-4, eine hydrophober Farbstoff, der sehr effizient sensibilisiert.
Dye 11092 (Z907) bietet eine große Langzeitstabilität von der DSSC-Leistung. 2009 wurde die industrielle Synthese des ersten Energie-Relay-Dye (ERD) 57490 (PTCDI) CAS: 112078-08-7 entwickelt. ERD ermöglicht einen höheren Ertrag durch die Absorption hochenergetischer Photonen. Dies erweitert das gesamte Absorptionsspektrum bei gleichbleibender Schichtstärke. Im Jahr 2010 wird die Entwicklung der Synthese von Dye 58310 (C106) CAS: 1152310-69-4 fertig sein. Dieser Farbstoff ermöglicht eine noch bessere Lichtausbeute und erhöht den Wirkungsgrad der Zelle um bis zu 11,4%.

ORGANICA bietet diese Farbstoffe in Größenordnungen von Gramm bis Kilogramm an.

Der Verkauf von DSSC-Farbstoffen kann nur an Firmen erfolgen, welche die Lizenz von der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) erhalten haben.


2007

Aufbau und Inbetriebnahme einer thermisch- regenerativen Abluftverbrennung zur sicheren Unterbietung der von der neuen TA- Luft geforderten Emissionsgrenzwerte auch bei steigenden Produktionsmengen.

 Am 01. Juni 2007 schlossen die beiden Inspektorinnen der FDA, Mrs. Helen Ricalde (New Jersey) und Mrs. Yvonne Mc Knight (Philadelphia), ihre 4- tägige Inspektion der Anlagen der ORGANICA zur Herstellung des Diagnosefarbstoffs Indocyaningrün ab und konnten der Herstellung und Prüfung dieses Diagnosefarbstoffes cGMP- Konformität bestätigen. Die Herstellung erfolgt im Kilo- Lab unter Reinraumklasse 7 (10.000). Neue Diagnosetechniken der Firmen PULSION Medical Systems AG und der US-Firma Novadaq Technologies Inc. führten zu einem Bedarfsanstieg insbesondere auf dem US- amerikanischen Markt.


2006

Inbetriebnahme eines neuen 500 Liter Autoklaven der Firma Hofer. Damit wird die Kapazität zur Durchführung von Hochdruckreaktionen bis 50 bar verdoppelt (Hydrierung, reduktive Aminierung).

 

 

 

 


2004

Neubau einer Anlage zur Durchführung von Reaktionen mit Schwefelkohlenstoff, bestehend aus einem Edelstahlreaktor (630 Liter), einem emaillierten Kristallisator (1600 Liter) und einer PP-Filterpresse.

 


2003

Für DVD+R und DVD- R wird mit dem Dye 10930 ein Farbstoff mit verbesserter Licht- und Klimastabilität auf dem Markt eingeführt.


2002

ORGANICA entwickelt gemeinsam mit FEW Chemicals GmbH den ersten Farbstoff für DVD-R in Europa – Dye 967.

1998

Entwicklung erster Farbstoffe (Dye 393 – 03930) und Zwischenprodukte für beschreibbare optische Speicher höherer Speicherdichte. Im gleichen Jahr wurde mit der Errichtung eines neuen Kilo- Labs die Voraussetzung geschaffen, um Diagnose- und Therapiefarbstoffe und bei Bedarf auch andere parenterale Wirkstoffe unter cGMP herzustellen.


1996

Entwicklung und Produktionsüberführung neuer substituierter Phenylmercaptotetrazole (00610, 05470, 05630) durch Dr. Wladimir Bilas.


1995

Dr. Werner Walther zur Gründungsveranstaltung der ORGANICA

Privatisierung des chemikalienproduzierenden Bereichs der Filmfabrik, Gründung der ORGANICA Feinchemie GmbH Wolfen durch Dr. Bodo Schulze zusammen mit den Moskauer Gesellschaftern Vladimir Trushchenkov und Dmitry Zhur. Die Produktpalette gliedert sich in Photochemikalien, hierbei insbesondere Stabilisatoren, Antischleiermittel, Härtungsmittel, Sensibilisatoren und Farbstoffe, pharmazeutische Zwischenprodukte, wie 4- Fluorbenzylamin (00450), 4- Jodanilin (00040), 4- Jodanisol (60130), 4- Methyl- 1,2,4- triazol- 3-thiol (01740) und Phthalimid- Kalium (00321) sowie Feinchemikalien von allgemeiner Bedeutung, wie Malondianil (45410), Glutacondianil (13710), Butansulton (13671), Rhodaninessigsäure (13500) und eine Reihe spezieller Heterocyclen, z.B. 2,3,3- Trimethyl- 4,5- benzoindolenin (13700).

ORGANICA verfügt heute über das Know- How zur Herstellung von über 2500 Produkten in Form von Produktions-,Technikums- oder optimierten Laborverfahren.

Ein wichtiges Tätigkeitsfeld sind Auftragssynthesen, bei Bedarf mit Geheimhaltungsvereinbarungen. Es wird dabei entweder nach Verfahren des Auftraggebers, als auch nach eigens entwickelten Verfahren gearbeitet.

Weiterhin bietet die ORGANICA Feinchemie Laserfarbstoffe und Farbstoffe für die optische Aufzeichnung und medizinische Diagnose an (Spezialkatalog auf Anfrage).


1993

Die US-amerikanische Firma Aldrich (SAF) ist am Erwerb des Know-hows der organischen Synthese der Filmfabrik Wolfen interessiert. Sie beauftragt in Abstimmung mit der Geschäftsführung der Filmfabrik Wolfen Dr. Werner Walther mit der Sichtung und Zusammenstellung der in der Filmfabrik erarbeiteten organischen Synthesen auf Basis der vorhandenen Laborjournale aller Chemiker. Mit großem Fleiß wird diese Arbeit durch Dr. Walther abgeschlossen, die Laborjournale befinden sich jetzt im Archiv der ORGANICA. Gleichzeitig verhandelt der Präsident der SAF David Harvey mit der Treuhand über den Übergang des Personals in ein von SAF geplantes neues Produktionsgebäude auf Thalheimer Flur. Neben der Produktion von Feinchemikalien soll dort auch das neue Europäische Waren- und Logistikzentrum der SAF entstehen. Trotz monatelanger Verhandlungen bis zur Vertragsreife kommt es Ende 1993 nicht zum Abschluss des Kaufvertrages, da die Geschäftsführung der Filmfabrik Wolfen (und mit ihr die Treuhandanstalt) immer noch von einer zukünftigen privatisierten Filmproduktion von ORWO ausgehen und deshalb die organische Synthese behalten wollen. Damit ist dieser erste Versuch der Privatisierung des Betriebes Zwischenprodukte der Filmfabrik gescheitert. Aldrich baut daraufhin das neue Europäische Waren- und Logistikzentrum in Schnelldorf bei Crailsheim und investiert in die Erweiterung der Produktionskapazitäten bei Fluka in Buchs (Schweiz).


1992

Gründung der Filmfabrik Wolfen GmbH. Außer Photochemikalien werden jetzt auch Feinchemikalien angeboten und verkauft.


1990

Umwandlung der Filmfabrik in eine Aktiengesellschaft und verstärkte Orientierung auf die Erfordernisse des Weltmarktes. Es wird begonnen, die im Geschäftsfeld Organica produzierten Chemikalien weltweit zu vermarkten. Seit 1945 wurden 297 Bauelemente für die über 150 fotografischen Silberhalogenidmaterialien produktionsseitig eingesetzt und dabei größtenteils im Betrieb Zwischenprodukte der Filmfabrik Wolfen hergestellt. Im einzelnen sind dies 49 Farbkuppler, 27 Stabilisatoren / Antischleiermittel / Antioxidantien, 60 spektrale Sensibilisatoren, 45 Bausteine für die Emulsionsherstellung, 34 Filter-, NC- und Korrekturfarbstoffe, 15 Härter, 15 Netzmittel, 19 Polymere und 33 sonstige fotografische Bauelemente.

1988

Nach einem zwischenzeitlichen Import werden im neu errichteten Zwiprotechnikum (Geb. 238.7) die ersten eigenen Ölkuppler produziert.


1985

Die Arbeiten von Birr/Walther/Fischer/Engelmann zu Antischleiermitteln, teilweise mit einer Verbesserung der Löslichkeit durch Substitution mit Carboxy-, Hydroxy- und Sulfo- Gruppen sind abgeschlossen und diese produktionsmäßig eingeführt. Die Verwendung erfolgt hierbei auch als sogenannte Zusatzstabilisatoren des Sta- Salzes. Beispiele derartiger Verbindungen sind 1- Phenyl- 5-mercaptotetrazol (12580,PMT), 4- Hydroxy- PMT (12090), PMT- Disulfid (12430), Tiron (12200), 6- Amino- 2-thiouracil (12230), 3- Mercapto- 5-phenyl- 1,2,4- oxadiazol, 4,5,6,7- Tetrachlorbenztriazol und 3- Mercapto- 1,2,4- triazol.


1980

Für das neue Farbsystem werden für 22 Ölkuppler die Produktionsverfahren, einschließlich der dafür notwendigen Zwischenprodukte ausgearbeitet.

1975

erfolgt der Neubau Komponenten II Geb. 246.80 – eine moderne Kapazität unter Verwendung von geschlossenen Filtersystemen – Rührwerksdrucknutschen RDN 1800. Damit beträgt die jährliche Kapazität des Betriebes Zwipro nunmehr 270 t Kuppler, Netzmittel und Farbstoffe und 790 t Zwischenprodukte. Gleichzeitig entstehen mit dem Geb. 246.70 ein analytisches Labor, neue Sozialräume, ein neues Tanklager und die Destillation Geb. 259 mit zwei großen Destillationskolonnen zur Lösungsmittelrückgewinnung.


1970

Alle Stabilisatoren sowie der Mechanismus der fotografischen Stabilisierung werden in der von Birr bearbeiteten Monografie zusammengefaßt. Fischer wird in der in Arbeit befindlichen zweiten Monografie die bis 1988 erschienenen 2293 Patente auf dem Gebiet der fotografischen Stabilisierung erfassen und bewerten.
Anfang der 70er Jahre zeichnet sich ab, daß sich Wolfener Kinematerialien mit Fettrest- Kupplern und einer Verarbeitung mit der Farbentwicklersubstanz T 22/CD 1 nicht analog den auf dem westlichen Markt vorherrschenden Farbmaterialien in den Prozessen ECN II und ECP II mit den Entwicklersubstanzen CD 2 bzw. CD 3 verarbeiten lassen. Es beginnen eigene Forschungsarbeiten zur Synthese und Verwendung von sogenannten Ölkupplern.
In den Jahren nach 1970 werden von Plaschnik erfolgreich Härtungsmittel des Cyanursäure- und Carbamoyl- Typs für die Hochtemperaturverarbeitung moderner Farbfilme eingeführt (12070).

1969

Siegfried Schmidt (*14. Januar 1935 in Chemnitz) löst Friedrich Köhler als Betriebsleiter Zwipro ab. Unter seiner Verantwortung erfolgt Mitte der 70er Jahre eine Verdoppelung der Produktionskapazität und mit der Auftragsleitung Zwipro die Vorbereitung der Umstellung der Filmproduktion auf Ölkuppler / Hochtemperaturverarbeitung.


1965

Friedrich Köhler wird ausgehend von seinen Verdiensten bei der Erweiterung der Syntesekapazitäten v.a. für Farbkuppler Abteilungsleiter Zwischenprodukte (Zwipro). Walter Zeh geht in den Ruhestand. Abschnittsleiter Komponenten wird Klaus Puschkasch (*21. August 1942).

Das Thiobarbitursäure- Pentamethinoxonol 134611 mit der Möglichkeit der Silbersalzbildung an beiden Auxochromen wird zur Schärfeverbesserung des Spitzenfilms NP 15 auf dem Schwarzweißgebiet und nachfolgend in höherempfindlichen Schwarzweißmaterialien eingesetzt.


1964

Die Wolfener Erzeugnisse etablieren sich unter dem neuen Warenzeichen ORWO (ORiginal WOlfen).


1962

erfolgt mit der Inbetriebnahme der Geb. 246 (Z 169, S-Ester, Sta-Salz Bi 583 Code 12210, Vorstufen für P 577) und Geb. 247 (Hydrierkapazität) erneut eine Erweiterung um 250 t bzw. 170 t. Der Abschnitt Komponenten II wird gebildet.


1961

Günther Bach entwickelt mit Bch 2999 das Oxonolblau (33350), welches noch 2017 als Lichthofschutzfarbstoff für graphische Materialien eingesetzt wird, ebenso Oxonolrot Bch 2974.


1960

Die Forschung nach Stabilisatoren wird fortgesetzt. Weitere 500 werden unter Anwendung von elektro- und nucleophilen Substitutionen, sowie unter Einbringung von SH- bzw. SR- Gruppierungen synthetisiert. Erfolgreich können das Brom- Sta- Salz (32710) und das 2‑Methylthio- Sta- Salz (32740) ausgetestet werden.
Als Antischleiermittel / Zusatzstabilisatoren werden zunehmend auch Antioxidantien in fotografischen Emulsionen eingesetzt. Sie werden in Wolfen von Walther und Fischer bearbeitet. Ein noch heute aktueller Vertreter ist das Spirobisindan 12422.
Als letzte Gruppe in der Stabilisierung/Klarhaltung fotografischer Emulsionen/Schichten müssen die Blau- Sensibilisatoren genannt werden. Bereits Eiserbeck setzte bei der Herstellung von Kernspurplatten in Wolfen ein kurzwellig absorbierendes Merocyanin (12820) ein; für Colormaterialien finden moderne Blausensibilisatoren (12670,12770, 12810. 12820, 12900, 12930, 12950) Verwendung.

1959

wird Geb. 234 fertiggestellt. Dort werden vorrangig Entwicklerchemikalien (z. Bsp. p-Aminophenol) hergestellt und konfektioniert und damit die Versorgung der Fotochemie der DDR bis zur Verlagerung dieser Produktion 1968 nach Calbe sichergestellt.

Im gleichen Jahr werden mit dem Geb. 239 neue Kapazitäten (136 t) zur Herstellung von Zwischenprodukten und von Netzmitteln in Betrieb genommen. Das Gebäude wurde Anfang der 90er Jahre abgerissen.


1956

Die Gelatine- Schichten der Filme werden bislang mit Glyoxal, Diacetyl und Chromacetat gehärtet. Besonders für eine Verarbeitung in Tropenländern reicht diese Härtung, speziell der Schwarzweiß-Kine- Filme, nicht mehr aus. Innerhalb von einem Jahr werden von Werner Walther wirksamere organische Härtungsmittel mit Epoxy-, Acryl- und Aziridin- Gruppen synthetisiert und patentiert.


1955

Der neue Aufschwung drückt sich auch in einer neuen Struktur aus. Die Wissenschaftlichen-Farbenphotographischen Laboratorien werden aufgelöst. Als neue Struktureinheit wird die Forschungs- u. Entwicklungsabteilung Photo unter Dr. Kurt Meyer (*31. März 1904, †06. November 1978) gegründet. Dr. Walter Zeh wird dort für 10 Jahre Leiter der neuen Struktureinheit Abteilung Zwischenprodukte – mit den beiden Abschnitten Komponenten unter Leitung von Dr. Friedrich Köhler und Sensfarbstoffe unter Leitung von Dr. Günther Bach (*27. März 1928 in Scheibenberg/Erzgebirge).


1954

Auf der Grundlage der Erfindung von Meyer zur Verwendung von inneren Salzen der Cyanin- Farbstoffe werden durch Brunken/Bach/Eckert/Großmann Sensibilisatoren für den grünen (12690, 12840, 12850, 12890, 12910) und roten Spektralbereich (12710, 12720, 12760, 12860, 12870, 12880) synthetisiert und in Schwarzweiß- sowie Farbmaterialien eingesetzt. Als Quaternierungsmittel dienen die erstmals in Wolfen hergestellten Propansulton, Butansulton, cyclische Sulfate und Halogencarbonsäuren. Bach und Ebersbach gelingt es, mit der Ausarbeitung von Eintopfverfahren die Herstellung der spektralen Sensibilisatoren wesentlich zu rationalisieren. Als spezielle Rot- Sensibilisatoren, teilweise mit ausgeprägter „Grünlücke“, werden dreikernige Cyanine, d. h. mit drei unterschiedlichen Heterocyclen als Auxochrome entwickelt (12920).
Für die Röntgen- Schirmbildfotografie und für Druckmaterialien stellt Brunken spezielle Merocynine als Grün- Sensibilisatoren her (zum Beispiel 12730)


1953

Übergabe der Filmfabrik an die DDR und Gründung des VEB Film- und Chemiefaserwerkes AGFA Wolfen.
Nach den bis 1950 in der Filmfabrik sowie der Farbenfabrik Wolfen hergestellten Filter- und Korrekturfarbstoffen Zaponechtblau 3G C.I.51004, Cellitonechtgelb G C.I.11855, Säuregrün 940, 4,4′-Bis(3- carboxy- 4-chloranilino)tritylchlorid (12220), Naphtholgrün B C.I.10020 (12500), 4,4′-bis[bis(2- hydroxyethyl)amino]-4“-chlortritylchlorid (12450), Filterblaugrün (12461), Anthralangelb 1, Echtlichtorange GX, N- Acetyl- 2-(2- hydroxy- 5-sulfophenyl)azo- H-Säure (12510), Säurefuchsin C.I.42685, Tartrazin C.I.19140 (60200), Säureviolett 520 Pina werden darüberhinaus neue Oxonol- und Azofarbstoffe, wie Me 689T (12290), PSK 77 (12320), Op 450 (12330), Bch 2999 (12350), Oxonolblau (33350) und Oxonolrot (05290) entwickelt.

Die zahlreichen Neuentwicklungen an organischen Filmbausteinen werden z.T. auch in den Geb. 069 und 070, der sogenannten Vorproduktegewinnung, hergestellt. Der Leiter dort ist Dr. Emil-Joachim Birr.


1952

Im Februar 1952 wird der Westteil des Geb. 221 in Betrieb genommen. Dieser entlastete mit der Produktionsaufnahme der Farbkuppler F 654, F 535 und Z 169 und von Zwischenprodukten das Geb. 215. Im Geb. 215 erfolgte dann nach einer Rekonstruktion die Produktionsaufnahme des Gelbkupplers P577 für den PC7. Die Gesamtkapazität an Kupplern und anderen Zwischenprodukten erhöht sich so schrittweise von 35 t (Geb. 215) auf insgesamt 155 t.

Mit dem Gebäude 213 wird im gleichen Jahr eine neue Kapazität zur Lagerung von Zwischenprodukten und zum Mahlen und Mischen fertiggestellt.

Die Produktion in den Gebäuden 213 / 215 / 221 erfolgt bis 1993, danach erfolgte im Jahr 1995 der Abriss. Das Gelände wurde danach von der Syntec GmbH erworben, welche darauf neue Produktions-, Labor- und Verwaltungsgebäude errichtet hat.

Mit dem Patent von Meyer/Birr zur kombinierten Reifungs-/Klarhaltungswirkung des S- Salzes und des Na- Salzes der Benzolthiosulfonsäure (12160), sowie der später erfolgten Aufklärung des Wirkungsmechanismus durch Gahler wird die Anwendung des S‑Salzes wesentlich gefördert.
Durch Dr. Werner Walther (*23.Oktober 1928) wird die Chemie carbazidokondensierter Systeme mit 1000 Produkten durch die Kondensation von 5- und 6- Ring- Heterocyclen mit allen zur Verfügung stehenden a,g- Diketo- oder ähnlich reaktionsfähigen Verbindungen umfangreich bearbeitet und die Zahl der möglichen Indolizin- Stabilisatoren wesentlich erweitert, ohne daß jedoch unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Herstellungskosten eine günstigere Verbindung als das Sta- Salz gefunden werden kann.


1951

Vom PeCe-Betrieb des Bereiches Chemiefaser wird das Gebäude 210 (Baujahr 1924) übernommen und die Produktion von Sensibilisierungsfarbstoffen aus dem „Technikum S“ des Geb. 215 dorthin verlagert. Von Beginn an ist Rolf Ebersbach (*12. Dezember 1926 in Böhlen) in der Produktion von Sensfarbstoffen mit dabei. Vom 01.01.1966 bis zu seinem Ausscheiden im Jahr der Wende am 01.07.1990 leitet er diesen Abschnitt. Dort werden Labor- u. Technikumsapparate vorrangig aus Glas bis 80 – Liter aufgebaut, später wird dies um einen 250 Liter Rührapparat zur Herstellung von Siox-Farbstoff ergänzt. Ab 1963 wird hier auch der Diagnosefarbstoff Indocyaningrün hergestellt (CAS: 3599-32-4, Bch 3266, DDR-Warenzeichen: Ujoviridin®), welcher von der benachbarten Farbenfabrik (Dr. Möhring) als Diagnostikum auf den Markt gebracht wird. Zum Abschnitt Sensfarbstoffe kommt später noch der separate Teil der Produktion von Filtermassen (aus Hüttenbims und Mangandioxid – ein Abfallprodukt der Kaliumpermanganatproduktion der Farbenfabrik Greppin). Das Geb. 210 bleibt als Sensfarbstoffproduktion bis 1992 beim Betrieb Zwipro. Dann erwirbt die Firma Syntec GmbH das Geb. 210.

2002 verkaufen die 3 Gesellschafter der Syntec das Unternehmen an die amerikanische Sensient. Von da findet die Erfolgsgeschichte der Syntec ihr Ende – bis hin zur Produktionseinstellung an diesem Standort im Jahr 2014. Allerdings gibt es mit der 1994 gegründeten SYNTHON Chemicals GmbH & Co. KG ein erfolgreiches Spin-off der Syntec GmbH. Unter Leitung von Gesellschafter Dr. Michael Gäbler beschäftigt sich dieses Unternehmen bis heute erfolgreich mit der Synthese von Farbstoffen, Heterocyclen und Zwischenprodukten (mehr unter www.synthon-chemicals.com/deu/index.html).

Ebenfalls 1951 wird der Ostteil des Gebäudes 221 der neuen Farbkupplerfabrik fertiggestellt. Dort werden vor allem der neue Blaugrün-Kuppler Kö 686 (entwickelt von Dr. Friedrich Köhler) und dessen Vorstufen Kö 686 -Zw I und Stenolbromid hergestellt. Die Arbeit war sehr schwer, da täglich 6 Filterpressen und 2 Druckfilter zu bedienen waren. Diese Produktion lief dort bis zur Inbetriebnahme des „Neubaus“ Komponenten II Geb. 246.80 im Jahr 1975. Die Hauptanwendung dieses Kupplers war für den Color-Positiv-Film PC7 – das Material für die Filmvorführungen in den Kinos.

1947

Aus dem Jahresbericht 1947 von Walter Zeh (*19. Juli 1900; † 28.Februar 1978), dem Leiter der Wissenschaftlichen Farbenphotographischen Laboratorien (WFL), ist zu sehen, dass der Bedarf der Filmproduktion an organischen Bausteinen bei weitem auch durch die benachbarte Farbenfabrik Greppin nicht abgedeckt werden konnte. Deshalb wurde der technische Raum der WFL im Gebäude 215 im Jahr 1951 unter Leitung von Dr. Friedrich Köhler (*01. März 1907, in Filmfabrik bis zum 29. Februar 1972) rekonstruiert und, noch unter sowjetischer Administration, der Beschluss gefasst, die Farbkupplerproduktion deutlich zu erweitern.


1945

In den Direktionskonferenzen der Agfa wurde ab Februar 1945 intensiv beraten, was in die westlichen Zonen verlagert wird. Da bei der Größe des Werkes und den täglich schlechter werdenden Transportwegen die Verlagerung großer Betriebsteile nicht möglich war, wurden vor allem Patentakten, Zeichnungen, Laborbücher, Rezepte, Prüfgeräte und Chemikalien ausgelagert. Schon ab 1944 musste die Produktion schrittweise wegen unzureichendem Rohstoffnachschub zurückgefahren werden.

Am 19. April 1945, die Kämpfe um Wolfen dauerten schon den fünften Tag, schickten die Amerikaner die Task Force Hogan mit dem speziellen Auftrag an die Front, die Filmfabrik Wolfen einzunehmen. Bei den Kämpfen, Brandschatzungen und Plünderungen verlor das Werk zum Teil unersetzliche Unterlagen und Inventar. 14% der bebauten Grundfläche des Werkes wurden zerstört.

Nach Einnahme des Werkes durch die Amerikaner musste die deutsche Restbelegschaft das Werk verlassen. Die Direktoren und leitenden Angestellten warteten daheim die Entwicklung ab bzw. kamen wegen fehlender Verkehrsverbindungen nicht ins Werk. Zudem ließen die Amerikaner die Fremd- und Zwangsarbeiter gewähren, von denen noch einige Tausend in Wolfen waren. Erst einen Monat später verbot der kommandierende Captain Clayton F. Kunze die Plünderung und setzte Soldaten zur Sicherung des verbliebenen Restes ein.

Die Amerikaner nahmen 18 Direktoren, Wissenschaftler und leitende Mitarbeiter mit nach München und zwangen sie, die Wolfener Produktionsgeheimnisse offenzulegen. Diese wurden dann als CIOS-, BIOS- und FIAT Berichte gedruckt und veröffentlicht. 25 weitere Techniker und Chemiker folgten den Amerikanern und verließen bis zum 30.06.1945 das Werk. Daneben wurden wesentliche Rohstoffe für eine Filmproduktion abtransportiert.

Am 01.07.1945 besetzten dann sowjetische Truppen die Agfa-Filmfabrik – sie verbleibt bis 1953 in sowjetischem Eigentum (SAG Photoplenka). Innerhalb von 9 Monaten werden 60% der Filmproduktionskapazitäten als Reparationslieferung abtransportiert. Gleichzeitig wird aber auch die Produktion in Wolfen wieder aufgebaut und eine Rohstoffversorgung organisiert – um mit der Produktion weitere Reparationszahlungen zu leisten.

Da auch die Agfa-Farbenfabrik in Greppin der sowjetischen Administration (SAG Kraska) unterstand, wurde dort die Produktion von Zwischenprodukten und z.T. von Fabkupplern nach 1945 organisiert. Allerdings mit zunehmenden Schwierigkeiten ökonomischer und technischer Art aufgrund der Zugehörigkeit zu nunmehr getrennten Wirtschaftseinheiten und den daraus resultierenden unterschiedlichen Interessen.

Gleichzeitig wird im Gebäude 215 die Kapazität für die Produktion von Filmbausteinen erweitert. Damit konnten dort bereits 1947 über 2 Tonnen Farbkuppler, Farbstoffe, Stabilisatoren und Netzmittel und Sensibilisierungsfarbstoffe hergestellt werden.

1938

Die sogenannten „Fröhlich- Kuppler“ werden bereits erstmals im Kopiermaterial durch Weiterentwicklungen abgelöst. Von diesen sind noch im Jahre 1990 N-(3,5- Dicarboxyphenyl)-N- stearyl- 1-hydroxy- 2-naphthamid, N-(3- Carboxyphenyl)-2-(3,5- dicarboxyphenoxy)-2-(4- stearoyl- aminobenzoyl)acetamid und 1-(4- Phenoxy- 3-sulfophenyl)-3- heptadecyl- 5-pyrazolon in Wolfen im Einsatz.


1936

Der Agfacolor- Neu wird der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Als erster Mehrschichtfarbfilm mit eingelagerten Kupplern erhält er auf der Pariser Weltausstellung den „Grand Prix“.
Seit Mitte der 30er Jahre wird das Natrium- Salz der Benzolsulfinsäure (12490, S- Salz) als Klarhalter in der Emulsionsherstellung eingesetzt. Andere Filmfabriken verwenden später das entsprechende Salz der 4- Toluolsulfinsäure (12060).
Bei seiner Suche nach Stabilisatoren ohne negative Beeinflussung der Empfindlichkeit bei Einsatz von Mercaptoverbindungen stößt Birr auf die bereits 1907 von Bülow synthetisierten Triazaindolizine. Das Kondensationsprodukt aus Acetessigester und 3- Amino- 1,2,4- triazol erweist sich sofort als idealer Stabilisator (12210, Sta- Salz, Bi 583, TM- 2) Innerhalb von zwei Jahren erfolgt sein Einsatz in allen Filmsorten, und es ersetzt auch die Mebisäure in den Agfacolor- Neu- Materialien.
Damit kommt der Koslowsky- Effekt ohne Einschränkung der Empfindlichkeit voll zum Tragen. Diese bis heute einmalige Kombination von Goldkomplexen und Sta- Salz – bis zum Erscheinen der BIOS- und FIAT- Berichte unter strenger Geheimhaltung – findet seit 1945 in allen Filmmaterialien der Welt Verwendung.
Bis 1945 werden China-, Oxa-, Selena- und Thiacarbocyaninine in Form ihrer Jodide, Bromide, Chlorate und Ethylsulfate als spektrale Sensibilisatoren in allen Schwarzweiß- und Farbmaterialien eingesetzt (zum Beispiel 12680).

Mit der Einführung des Agfa-Color-Neu-Verfahrens entsteht ein neuer Bedarf an organischen Bausteinen für die Filmproduktion – die Farbkuppler. Dieser Bedarf steigt zügig an und die Produktion erfolgt vor allem innerhalb der IG Farben bei Hoechst in Frankfurt und bei Bayer in Leverkusen, zum Teil aber auch neben Sensibilisierungsfarbstoffen im „Technischen Raum“ des Geb. 215 (Baujahr 1917) der Filmfabrik Wolfen unter Verantwortung der Forschung. In Wolfen werden Sensibilisierungsfarbstoffe auch für die Fotopapierproduktion in Leverkusen hergestellt und es wird an deren Weiterentwicklung geforscht.


1935

Robert Koslowsky (*07. Februar 1901, †20. April 1983) erreicht durch die Verwendung von Goldsalzen bei wesentlichen Emulsionen Empfindlichkeitssteigerungen um das 2- bis 4- fache, jedoch teilweise mit geringerer Haltbarkeit.
Anfang April beginnen unter Leitung von Wilmanns die Arbeiten zum Agfacolor- Neu- Verfahren. Damit arbeiten fast alle Organiker der technisch- chemischen Abteilung, einschließlich der später hinzukommenden Fröhlich und Kumetat zunächst am neuen Farbkupplersystem. Das erste Patent wird bereits am 11.4.35 angemeldet (DRP 746135). Mit den weiteren Patentanmeldungen vom 8.8.35 (DRP 725872) und 6.12.35 (DRP 733407) liegt die Grundkonzeption des Wolfener Verfahrens mit Farbkupplern, die langkettige diffusionsfestmachende Fettreste und löslichkeitsvermittelnde Carboxy- oder Sulfo- Gruppen tragen, vor.

1928

Abgeleitet aus den neuen heterocyclische Verbindungen mit der Möglichkeit der Silbersalz- Bildung (Matthies/Wendt/Wulff DRP 473000) setzt die Agfa bis Mitte der 30er Jahre in allen Schwarzweiß- und Farbmaterialien die 2- Mercaptobenzimidazol- 5-sulfonsäure (12970, Mebisäure) als Antischleiermittel / Klarhalter ein. Als Erinnerung an diese bahnbrechende Erfindung gilt nach wie vor die Meinung von Dr. Emil-Joachim Birr (*17.Mai 1903, †30. Mai 1973): „Man muß die Chemie der Heterocyclen beherrschen, um Erfolg in der Synthese und der fotografischen Anwendung zu haben.“


1925

Die Agfa gründet zusammen mit anderen großen deutschen Chemieunternehmen die Interessengemeinschaft Farbenindustrie, kurz IG Farben, mit Sitz in Frankfurt/Main. Ziel dieser Vereinigung war die Erhöhung der Konkurrenzfähigkeit, z. Bsp. durch Spezialisierung, Bereinigung der Produktpalette und Konzentration am profitabelsten Standort, Patentaustausch und Bereinigung der Warenzeichen. So wurden das Bayer-Photopapierwerk Leverkusen und das Camerawerk Rietzschel München der Agfa-Filmfabrik in Wolfen unterstellt, beide mussten ihre Warenzeichen ablegen und ab 1926 ihre Produkte unter dem Warenzeichen Agfa vertreiben. Die Filmfabrik Wolfen wurde Sitz der Betriebsgemeinschaft Berlin, ihr wurden neben den schon erwähnten Fotobetrieben auch alle Faser produzierenden Betriebe des Konzerns unterstellt.


1920

Gustav Wilmanns (*08. Oktober 1881, † 14. Januar 1965) baut das Wissenschaftliche Laboratorium auf und schafft damit die Grundlage für eine planmäßige fotochemische Forschung. Unter seiner Leitung werden erstmalig in der Geschichte heterocyclische Verbindungen, wie Imidazole, Thiazole und Tetrazole als fotografische Klarhalter eingesetzt Sie führen zwar zu Empfindlichkeitsverlusten, bilden aber die Grundlage für den Agfa- Pankinefilm im Jahre 1925.Wilmanns wurde 1922 Direktor der Fabrikationsabteilung Foto.

Kurzbiografie: www.chemieforum-erkner.de/chemie-geschichte/personen/wilmanns_g.htm

1910

Durch die Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation – Agfa – wird in Wolfen die Produktion von Rohfilm aufgenommen.

1905

Franz Oppenheim gehörte neben Carl Duisberg von Bayer zu den treibenden Kräften bei der Konzernbildung der großen deutschen Farbenfabriken, die 1904 mit der Bildung des Dreibundes aus Agfa, BASF und Bayer begann und schließlich mit der Bildung der I.G. Farbenindustrie AG 1925 ihren Abschluss fand.

Franz Oppenheim nahm während seiner Amtszeit großen Einfluss auf die kaiserliche Reichsregierung. So gehörte er zu den treibenden Kräften bei der Bildung der „Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V.“ (KWI) 1911 wurde unter seiner Mitwirkung das KWI für Chemie in Berlin-Dahlem gegründet – heute das Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz (siehe www.mpic.de). So sicherte er sich auch für sein Unternehmen den Einfluss auf die vom Staat geförderte Forschung.

1896

errichtete die Agfa eine Farbenfabrik in Greppin (heute Teil von Bitterfeld-Wolfen), in dem Ende 1907 944 Arbeiter tätig waren. An diesem Standort befindet sich heute die CBW • Chemie GmbH Bitterfeld-Wolfen (siehe www.cbwchem.com).

1885 / 1899

wurde Franz Oppenheim Mitglied der Geschäftsleitung und 1899, nach dem Ausscheiden von Martius, übernahm der als Generaldirektor die Leitung der Aktiengesellschaft.


1880

Mit 39 Jahren stirbt Paul Mendelssohn Bartholdy plötzlich und unerwartet im Februar 1880. Wie sein Vater litt auch er an einer Herzkrankheit. Im gleichen Jahr begann Franz Oppenheim (* 13. Juli 1852 in Charlottenburg; † 13. Februar 1929 in Kairo) seine Tätigkeit bei der Aktiengesellschaft. Franz Oppenheim war Neffe und Schwager von Paul Mendelsohn Bartholdy und gleichfalls ein Nachkomme (Ururenkel) des Dessauer Moses Mendelssohn. Oppenheim studierte wie sein Schwager in Heidelberg bei Bunsen und Kirchhoff Chemie und Physik, ging dann aber 1874 nach Bonn zu F.A. Kekulé und O. Wallach. Dort promovierte er 1877. Auf eine weitere Ausbildung in England verzichtete er und trat nach einer kurzen Zwischenstation in der Düngemittelfabrik Vorster & Grünberg in Kalk bei Köln in die Firma seines Schwagers ein. Seine Aufgabe bestand zunächst in der Aufrechterhaltung der Verbindung zwischen der Rummelsburger und der Treptower Fabrik und der Lösung der im Zusammenhang mit der Einführung der Azofarbstoffe in die Produktion auftretenden Probleme.

1879

Mit Siegfried Pfaff (*31. Januar 1851, † 20. Mai 1928) beginnt ein weiterer Chemiker seine Tätigkeit bei der Agfa. Pfaff studierte in Erlangen Chemie und vervollkommnete seine Kenntnisse im chemischen Laboratorium der Berliner Universität und bei den Firmen Landshoff & Meyer und Kunheim & Co. Ebenfalls 1879 beginnt die Produktion von Azofarbstoffen. In beiden Betriebsteilen sind etwa 100 Mitarbeiter angestellt. Pfaff war nicht nur ein guter Chemiker, er verstand es sehr gut erforderliche Ausrüstungen zu entwerfen. So wurden alle für die Farbstoffherstellung erforderlichen Ausrüstungen für Berlin und später auch für Wolfen von ihm entworfen und unter seiner Leitung von fremden Handwerksbetrieben gebaut. 1893 übernahm Pfaff die Leitung aller Farbstoffbetriebe der Gesellschaft, 1913 wechselte er in den Aufsichtsrat.


1873

Gründung der Actien-Gesellschaft für Anilin-Fabrication am 21. Juli 1873 basierend auf dem Zusammenschluss beider Unternehmen, welche ab 1897 unter dem Warenzeichen „Agfa“ firmierte.

Im gleichen Jahr begann die Produktion von Dimethylanilin und 1882 die Herstellung von ß-Naphthol. Die Herstellung von Farbstoff-Zwischenprodukten verlief zunächst reibungslos, dann aber gab es Absatzschwierigkeiten. Dies führte dazu, dass man bestrebt war selbst Farbstoffe herzustellen. Dies war auch ein wesentlicher Grund für die Vereinigung der beiden Unternehmen. Die Jordansche Fabrik verarbeitet „Gaswasser“ und stellte im kleinen Umfang Färbebeizen und Anilinfarben her. Nach der Fusion leitete Mendelsohn Bartholdy die Zwischenprodukteproduktion in Rummelsburg und Martius am Wiesenufer die Farbenherstellung. Erstes Verkaufsprodukt war das Fuchsin.


1872

kaufte die Gesellschaft für Anilinfabrikation die Jordansche chemische Fabrik. Im gleichen Jahr begann die Produktion von Salpetersäure.

1867

Paul Mendelssohn Bartholdy und Carl Alexander Martius gründeten 1867 die Gesellschaft für Anilinfabrikation mbH in Rummelsburg bei Berlin.
Martius (* 19. Januar 1838 in München; † 26. Februar 1920 in Nonn) war bereits in seiner Jugend durch seinen Vater, der ein bekannter Botaniker war und die „Flora brasiliensis“ verfasst hatte, mit Justus von Liebig (1803-1873) bekannt. Er studierte in Müchen bei Liebig Chemie und wurde nach seiner Promotion Assistent bei A.W. Hofmann, ebenfalls einem Liebig-Schüler, dem er nach London folgte. Mit Hofmann nach Berlin 1865 zurückgekehrt, arbeitete er zunächst bei ihm im Laboratorium.

Paul Mendelssohn Bartholdy (* 18. Januar 1841 in Leipzig, † 17. Februar 1880 in Berlin) verbrachte seine frühe Kindheit in Leipzig und übersiedelte nach dem Tod seines Vaters (des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy (* 3. Februar 1809 in Hamburg; † 4. November 1847 in Leipzig) mit seiner Mutter nach Berlin. 1853 starb seine Mutter mit 36 Jahren. Nach dem Obertertia begann er eine kaufmännische Lehre bei der Firma P. Schunk & Co. In Leipzig, konnte aber keinen Gefallen an dieser Arbeit finden. So nahm er den Unterricht wieder auf und bestand 1859 sein Abitur in Leipzig. Danach begann er in Heidelberg Physik und Chemie bei Bunsen und Kirchhoff zu studieren. 1863 promovierte er, nach einem Zwischensemester in Göttingen, in Heidelberg zum Dr. phil. Nach Ableistung seines Militärdienstes, der ihn trotz inzwischen aufgenommener Unternehmertätigkeit, auch an den Kriegen 1866 und 1870/1871 teilnehmen ließ, begann er ebenfalls eine Tätigkeit im Hofmannschen Laboratorium. Dort gewann er Martius als Partner für die Gründung der chemischen Fabrik.

Hofmann (Bd. 13, 1880, 297-301) schrieb dazu: „Man befand sich damals noch in der ersten Zeit der Entfaltung der modernen Farbenindustrie, und so lag es in der Natur der Dinge, dass seine Phantasie von der großen Perspektive dieses neuen, in den Boden der Wissenschaft wurzelnden Zweiges der chemischen Technik, angezogen wurde.“ Hofmann selbst wurde stiller Gesellschafter des neuen Unternehmens.

Nach Willstätter (1872-1942) bestand die Fabrik zunächst aus 2 Räumen, in denen aus Leichtöl Reinbezol destilliert, zu Nitrobenzol umgesetzt und mit Eisenspänen und Essigsäure zu Anilin reduziert wurde. Zur Fabrik gehörte noch ein kleines Maschinenhaus und eine Kesselanlage.

Bildquelle: de.wikipedia.org/wiki/Agfa

1850

Am 11. Dezember 1850 gründete Max August Jordan (1818-1892) in Berlin-Treptow am Wiesenufer (später Lohmühlenstraße) eine che­mische Fabrik zur Herstellung von Blutlaugensalz, Berliner Blau und Cyankali.

1863 erhielt er die Konzession zur Herstellung von Anilin und Anilin­farbstoffen und war damit einer der ersten Anilinfabrikanten in Deutschland.

Bildquelle: www.chemieforum-erkner.de/chemie-geschichte/firmen/jordan.htm